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Hermann Lange

Porträt

War Johannes Prassek ein freier Prediger ohne Manuskript-Bindung, wurde Hermann Lange unter den Lübecker Katholiken bekannt für seine systematischen, schriftlich ausgefeilten Predigten. An ihm bemerkten die Zuhörer schnell die pädagogische Leidenschaft.

Hermann Lange

Lange, 1912 im ostfriesischen Leer geboren, hatte in seinem Onkel Hermann Lange, Domdechant in Osnabrück, ein prägendes Vorbild, auch im Blick auf die Berufswahl. Früh trat er in den „Bund Neudeutschland“ (ND) ein. Der ND war eine katholische Jugendorganisation für Gymnasiasten und Studenten, die sich als Brücke zwischen Kirche und Intellektuellen verstand. Der ND strebte eine Erneuerung Deutschlands aus christlichem Geist an. Schon als Schüler wurde Lange der Leiter der Leerer Gruppe. Als Primaner und Student begeisterte er sich für den Religionsphilosophen Romano Guardini und die von ihm inspirierte liturgische Erneuerungsbewegung, die schon in den 20er Jahren manche Reformen des späteren Zweiten Vatikanischen Konzils antizipierte.

Lange war ein gründlich nachdenkender und nicht nur in theologischen Fragen hoch gebildeter Mann. Neben der Eucharistie war die Verkündigung des Wortes Gottes zentral für sein Verständnis des priesterlichen Auftrags, darin war er dem Anliegen der reformatorischen Kirchen nahe. Die Ideologie des Nationalsozialismus lehnte er strikt ab. Da er den Krieg als ein Wesenselement dieser Ideologie erkannte, scheute er sich im Gespräch mit einem kritischen jungen Soldaten nicht, die Teilnahme am Krieg als im Grunde unvereinbar mit dem christlichen Glauben zu verurteilen. Damit ging er weit über die offizielle Haltung der damaligen Kirche hinaus. Diese Verwerfung des Krieges zeigt die Konsequenz und Radikalität seines Denkens.

Texterarbeitung: Ökumenischer Arbeitskreis „Lübecker Märtyrer“ 

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