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Eduard Müller

Lebenslauf in Stichworten

1911

  • 20. August 1911: Geburt in Neumünster als eines von sieben Kindern. Sein Vater, der Schumacher Eduard Müller sen. aus Neumünster, konvertierte vor der Eheschließung mit Karoline Hundeshagen zum katholischen Glauben und kämpft im Ersten Weltkrieg. Die Mutter ist Weberin und stammt aus dem katholischen Eichsfeld. 1888 wuden dort viele Weber für die Textilstadt Neumünster angeworben.
  • 20. August 1911: Eduard wird in der katholischen Pfarrkirche in Neumünster getauft.

1916

  • Eduard Müller besucht den 1907 von Elisabethschwestern (Graue Schwestern) gegründeten katholischen Kindergarten in Neumünster. Seiner Kindergärtnerin Sr. Guda wird Müller später noch aus dem Gefängnis schreiben.
  • Eduard Müller wird eingeschult, spielt zu Hause Heilige Messe mit den Nachbarskindern und wird später Messdiener. Seine Volksschullehrerin ist Maria Meures, sie fördert später den Erwerb des Abiturs.

1919

  • Eduard Müller sen. verlässt die Familie, nachdem er von der Front heimgekehrt ist. Mutter Karoline muss die drei jünsten Kinder Lisbeth, Frieda und Eduard alleine erziehen, sie nimmt eine Stelle als Waschfrau an. 

1922

  • 23. September 1922: Firmung durch Bischof Wilhelm Berning von Osnabrück in Neumünster. 

1925

  • Müller beginnt eine Ausbildung zum Schreiner und wird anschließend Geselle. In der Weltwirtschaftskrise wird er arbeitslos. Er engagiert sich daraufhin stärker in der Pfarrei, ist als Führer der Sturmschar (die bündische katholische Jugend), als Gruppenleiter, in der DJK Sportjugend, der Kolpingfamilie und bei vielen Fahrten der Pfarrjugend engagiert.

1927

  • Kaplan Bernhard Schräder beginnt seinen Dienst in Neumünster und fördert den jugendlichen Müller. Er sammelt Geld bei Gemeindemitgliedern, um ihm ein Studium zu ermöglichen.

1929

  • Seine alte Grundschullehrerin, Maria Meures, gibt Eduard Müller Nachhilfe, um ihm den erneuten Schulstart zu vereinfachen.

1931

  • Eduard Müller beginnt im Studienheim St. Klemens, sein Abitur nachzuholen. Zunächst im sauerländischen Belecke, dann ab 1932 in Bad Driburg. Was das Geld angeht, ist er ganz auf die Spenden der Neumünsteraner Gemeinde angewiesen, oft kommt er finanziell in Bedrängnis. Müller kann eine Klasse überspringen und macht 1935 seinen Abschluss.

1934

  • 30. Januar 1934: Eduard Müller sen. stirbt, sein Sohn nimmt an der Beerdigung nicht teil.

1935

  • 22. März 1935: Das Abitur als Externer am Münsteraner Paulinum besteht Müller mit „gut“.
  • April 1935: Müller wird an der Universität Münster zum Theologiestudium immatrikuliert.

1936

  • In den Semesterferien 1936 bis 1939 unternimmt Müller lange Reisen mit Jugendlichen aus der Neumünsteraner Pfarrgemeinde. Er macht viele Fotos und zeichnet Karten von diesen Reisen. Die erste Fahrt führt als Radtour 2400 km durch Westdeutschland.

1937

  • In den Sommerferien folgt die zweite Jugendfahrt, diesmal per Anhalter nach Rom.
  • 20. November 1939: Eduard Müllers Mutter stirbt.

1938

  • Die dritte Reise in den Semesterferien führt nach Jugoslawien.

1939

  • Die vierte Reise mit der Pfarrjugend führt über Rom bis nach Libyen. Am Ende der langen Reise bricht der Zweite Weltkrieg aus, es wird die letzte Fahrt bleiben.
  • Müller tritt nach dem Studienabschluss ins Priesterseminar Osnabrück ein.
  • September/Oktober 1939: Anlässlich des 25jährigen Priesterjubiläums Bischof Bernings kommen hochrangige Gäste in die Domstadt. Müller macht viele Farbdias mit seiner Kamera.

1940

  • 25. Juli 1940: Eduard Müller wird im Dom zu Osnabrück zum Priester geweiht.
  • 28. Juli 1940: Heimatprimiz Müllers in Neumünster. Die verhältnismäßig arme Gemeinde schenkt unter anderem einen Kelch und zwei Messgewänder.
  • 19. September 1940: Müller wird Kaplan in Lübeck und bezieht eine Wohnung im dortigen Pfarrhaus von Herz Jesu an der Parade. In Lübeck betreute er verschiedene Kinder- und Jugendgruppen. Auch die Kolpinggruppe zählte zu seinen Aufgaben. Dort wurde viel diskutiert, mitunter auch politisch Brisantes. Für den Notfall stand immer ein Diaprojektor mit selbstgemachten Dias seiner Romreise bereit, so dass bei einem überraschenden Besuch der Gestapo ein harmloser Reisebericht vorgespielt werden konnte.
  • Müller war ein echter Naturliebhaber. Eine seiner Leidenschaften waren Vogelstimmen, und so brachte er den Jugendlichen auf den Ausflügen und Fahrten das Bestimmen von Vogelstimmen bei. Auf dem Balkon des Pfarrhauses baute er eine Voliere für Singvögel.

1941

  • Sommer 1941: Müller hat so einen Erfolg bei den Jugendlichen, dass die Hitlerjugend ihn abwerben will, was vergeblich ist.

1942

  • 28. März 1942: Bombennacht in Lübeck. Die Kapläne helfen beim Transport der Kranken im Marienkrankenhaus und bei der Rettung weiterer Menschen im Lübeck.
  • Durch die Bomben werden auch die Räume der Schule verwüstet, in denen bisher die "Seelsorgstunde" oder "Lesekreis" genannten Treffen der Jugendgruppen stattfanden. Müller schlägt vor, den ungenutzten Kellerraum der nur leicht beschädigten Herz-Jesu-Kirche auszuräumen und als neuen Gruppenraum zu verwenden. Zusammen mit Mitgliedern seiner Jungengruppen macht er sich ans Werk, wie Fotos beweisen. Dieser Raum ist die heutige Krypta.
  • 22. Juni 1942: Müller wird als letzter Kaplan aus dem Pfarrhaus von der Gestapo abgeholt und nach langen Verhören im Marstallgefängnis eingesperrt. Er wird während der Haft Kontakt zu Gemeindemitgliedern und vor allem den Jungen aus seinen Gruppen halten und viele Seelsorgebriefe schreiben.

1943

  • 23. Juni 1943: Müller wird zusammen mit Prassek und Lange vom im Lübeck tagenden "2. Senat des Volksgerichtshof" wegen "Zersetzung der Wehrkraft in Verbindung mit landesverräterischen Feindbegünstigung und Rundfunkverbrechen" zum Tode verurteilt.
  • 10. November 1943: Müller schreibt drei Abschiedsbriefe: an Bischof Berning, an seine Schwester in Holland und an Dechant Bültel, der zugleich sein Testament enthält. Alle Briefe werden zugestellt.
  • 10. Novemnber 1943: Als erster der Lübecker Märtyrer stirbt Müller um 18.20 Uhr im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis unter dem Fallbeil.
  • 12. November 1943: Müller erhält das Luftschutzehrenzeichen als Anerkennung seiner Verdienste während der Lübecker Bombennacht. Die Auszeichnung kommt direkt zu den Akten.
  • Sein Leichnam wird im Krematorium des Konzentrationslagers Neuengamme eingeäschert und die Übereste in der "Lagergärtnerei" verstreut.
 

Eduard Müller auf Fahrt mit der Pfarrjugend Neumünster 1939 in Libyen © Pfarrarchiv Herz Jesu Lübeck

Eduard Müller mit Jugendlichen

Kaplan Eduard Müller fotografierte viel in seiner Freizeit. Zahlreiche Dias sind erhalten, unter anderem von seinen Reisen mit Jugendlichen. Das obere Bild zeigt Eduard Müller auf Fahrt mit der Pfarrjugend Neumünster 1939 in Libyen. Unten baut Kaplan Müller mit Kindern und Jugendlichen einen Raum unter der Kirche zum Jugendkeller um.